Herbst auf dem Rappenstein
Neulich behauptete ich bei der morgendlichen Begrüssung der 1. Klasse, dass ich mich über den herrlichen Frühlingstag freue. Man spüre und sehe doch, wie der Frühling erwache und uns den kommenden Sommer ankündige! Erst sah man nachdenkliche, dann bestimmte Gesichter und man hörte deutliche Kommentare der Schüler, die mich belehrten, es sei Herbst… Wir waren uns offensichtlich nicht einig und beschlossen, Beweise zu sammeln, die klarstellen sollten, welche Jahreszeit nun wirklich ist. Bunt und vielfältig präsentierten sich einige Minuten später handfeste Beweisstücke auf dem roten Leintuch.
Vor den Herbstferien durften die 4. Klässler Trauben ernten und den Vorgang zu frisch gepresstem Traubensaft praktisch kennenlernen. Fleissige Hände der Kleinklässler halfen beim Mostobst auflesen. Etliche versuchten sich beim Schütteln der Apfelbäume mit dem Schüttelhacken. Dabei verwunderte sich mancher über die mühevolle Schüttlerei, die doch beim Zuschauen so einfach aussieht. Nebst den knorrig alten Apfelbäumen präsentierten sich die Zwetschgenbäume reich behangen. Nur wollten die Zwetschgen nicht fallen. Diejenigen, die sich dann doch am Boden fanden, sammelten die Schüler ein und kippten die Früchte in blaue Fässer. Diese lagern nun bis Februar, um danach zu Schnaps gebrannt zu werden.
Zum Thema Römer versuchte sich die Kleinklasse mit der Flechtkunst aus selbst geschnittenen Haselruten zu einem Palisadenbau. Im Tippi indianisch kochen, Blasrohre, geschnitzte Stöcke, Kopfbänder und Ketten herstellen und am Feuer den Geschichten lauschen zu können: All das wurde für die 3. Klässler sicher zum Höhepunkt ihres Indianerthemas.
Das Jahresmotto „Voll Läbe“ erleben wir beim Eintauchen in die Kunst der Landart. Kreativ, naturnah und mit Teamgeist entstehen wunderbare Werke. Die Schöpfung, unsere Arbeit und unsere Sinne verbinden sich dabei auf ungeahnte Weise.
An manchen Schultagen auf dem Rappenstein wird Sprache, Mathe und Geometrie eingebaut. Wir formten aus Lehm Romben, Würfel und Zylinder, ein Mittagessen das den neu gelernten S vertieft, 100 Schritte im Wald ablaufen und zum Alphabet Gegenstände suchen, um nur einige Beispiele zu nennen.
Die Vielfallt des Hofes und Möglichkeiten die sich für diesen Unterricht in der SalZH öffnen, konnten neue Lehrer und Schüler kennenlernen. Es überrascht nicht, sind die Kinder meist beim Abschied zufrieden und mit vielen neuen oder aufgefrischten Erkenntnissen gefüllt. “Voll Läbe“ – Leben aus der Fülle, ist an jedem Rappenstein-SalZH-Tag neu zu entdecken und zu erleben.
Rahel Werren, Bäuerin auf dem Rappenstein / 30.10.2011