Was uns tagtäglich von neuen ermutigt...

Geschichten, die das Leben schreibt und die uns ermutigen, am Ball zu bleiben! Sie geben uns die Energie, uns tagtäglich für unsere Sache einzusetzen und hoffnungsvoll in die Zukunft unserer Kinder zu blicken.

Am Candlelight Dinner vom 1.12.17 haben Schulleiter über ihre Aufsteller im Alltag berichtet. Einige dieser Geschichte möchten wir Ihnen nicht vorenthalten:

Die wunderschön angezogene und frisierte junge Dame im Kindergarten, die am letzten Schultag vor langen Familienferien im Ausland auf Nachfrage nach dem Weshalb erklärt: „Ja Frau Hofmann, nur für Dich! weil ich Dich soooo lange nicht mehr sehe!“

Aber auch an der Oberstufe geschehen manchmal erstaunliche Dinge. Entwicklungen, die man so nicht erwarten durfte, die aber eines zeigen: Dran bleiben lohnt sich und hohe Ziele haben auch!

M. kam Ende Primarschule an die SalZH, wechselte an die Oberstufe und wurde da von Stefan Dudli, als introvertierter, gestresster Junge mit einer ganzen Ladung an Problemen wahrgenommen. Kapuze über dem Kopf, unpünktlich, selten mit dem benötigten Material… kurzum, eine Knacknuss.

Stefan Dudli berichtete in diesem Zusammenhang von den grossen Hoffnungen. Hoffnungen, die er in M. setzte, die er M. auch immer wieder im Gespräch klarmachte, Hoffnungen, an deren Erfüllung er teilweise selbst nicht mit ganzem Herzen glauben konnte. Die Hoffnung, dass M. eine normale, tolle Lehrstelle finden könne und diejenige, dass eines Tages die Zeitungen von einer seiner grossen Erfindungen berichten.

Die grossen Hoffnungen, die man in ihn setzte, trugen Früchte. M. öffnete sich gegenüber Kollegen, der Welt und kam eines Tages mit knallblauen Haaren in die Schule. Jetzt stand er da, jeder sprach ihn an, er versteckte sich und seine Gaben nicht länger, sondern trug mit seinen blauen Haaren, gerade auch noch eine Portion Selbstbewusstsein durch die Welt. Die tolle Lehrstelle, die er gefunden hat und die ebensolche Abschlussarbeit beweisen, dass der Mensch sich an der Hoffnung nähren und aufrichten kann.

ein Dankesmail - sagt alles!

Liebe Frau Schneider

Gestern konnte ich meinen Lehrvertrag bei meiner Wunschfirma unterzeichnen. Meine Freude ist riesig! Ich denke ohne die Zeit in ihrer Klasse wäre ich nicht an dieser Stelle an der ich jetzt bin. Ich bin ihnen sehr dankbar für ihren Einsatz denn sie für mich geleistet haben. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Kraft und Motivation für ihre wertvolle Arbeit.

Lieber Gruss von L.

 

Eine Schülerin, die das Leben meistern lernt

In Stefanies* Leben änderte sich nicht nur die Schulsituation, sondern der Eintritt in die dritte Oberstufe der Kleinklasse an der SalZH ging mit der Platzierung in einer Wohngruppe für Jugendliche einher. Nach einer turbulenten Zeit mit Aufenthalten in psychiatrischen Krisenzentren sollte Stabilität und Sicherheit geschaffen werden.

Wahrnehmungsstörungen behindern Stefanie im schulischen Alltag, die Defizite im Fach Deutsch sind einschneidend. In der Mathematik schätzt sie sich anfänglich als eine C-Schülerin ein.

Auch als Persönlichkeit hat Stefanie einige Hürden zu nehmen. Aufgrund ihrer familiären Geschichte konnten sich gewisse Aspekte gar nicht entwickeln und entsprechend reagiert sie in herausfordernden Situationen mit starker Nervosität, sie explodiert oder verlässt die Szene impulsartig. Aber sie kennt auch die stark depressiven Momente, in denen sie kaum mehr denken kann und sich nur noch traurig fühlt. In den ersten Wochen an der SalZH fehlt sie immer wieder und braucht viel Unterstützung des heimischen Umfeldes, damit sie überhaupt zur Schule geht.

Dank der engen Zusammenarbeit und dem guten Informationsfluss zwischen Wohngruppe und Lehrer löst sich dieses Problem schon im ersten Quartal. Überhaupt ist die Rolle des Lehrers als Bezugsperson ein Schlüssel für Stefanies Fortschritte. ...mehr

 

Im Stillen zum Blühen kommen

Ihr Lehrer hat Claudia*, Kleinklassenschülerin der zweiten Oberstufe, strategisch in der Mitte des Klassenzimmers platziert. Von ihr geht eine Ruhe aus, die wohltuend auf die anderen Schülerinnen und Schüler um sie herum einwirkt. Sie nimmt jeden in der Klasse so an, wie er ist. Und dafür sind ihre Mitschüler dankbar.

Dass Claudia diese Stärke ihrer Persönlichkeit so ausleben kann, hat mit dem Setting der Kleinklasse zu tun, das perfekt auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist. Sie ist darauf angewiesen, in einer überschaubaren Gruppe, mit konstanten und vertrauenswürdigen Bezugspersonen und einem ihr angepassten Tempo, auf ihrem Leistungsniveau arbeiten zu dürfen. Es liegt nicht an ihrem Fleiss oder ihrer Leistungsbereitschaft, dass sie den Schulstoff der Regelklasse nicht bewältigen kann. Claudia hat ein ADS, sie hat grosse Konzentrationsprobleme, arbeitet ausgesprochen langsam, nimmt Arbeitsanweisungen manchmal gar nicht auf, verliert sich in Details. Beim Schreiben macht sie viele Fehler, auch im Rechnen arbeitet sie heute mit einem heilpädagogischen Programm. Schon früh war sich Claudia dieser Defizite bewusst und reagierte mit vermehrter Anstrengung darauf, erfolglos. Das frustriert, bereitet Sorgen und fühlt sich wie eine Sackgasse an. ...mehr

 

Intellektuelle Fähigkeiten brauchen den richtigen Rahmen

Die Durchlässigkeit zwischen den Profilen A und B der Sekundarstufe gehört an der SalZH zum Alltag. Dank der räumlichen Nähe und der engen Zusammenarbeit im Lehrerkollegium eröffnete sich für Christoph* die Möglichkeit, auch als Kleinklassenschüler von dieser Flexibilität zu profitieren. Von seinen kognitiven Fähigkeiten her hätte er nämlich locker dem Schulstoff der Regelklasse folgen können. Doch seine massiven Aufmerksamkeitsdefizite verunmöglichten das. ...mehr

 

„Herr Hofmann, weinen Sie?“

Die kecke Frage reisst mich aus meinen Gedanken. Der Drittklässler schaut mir forschend in die Augen. Habe ich tatsächlich feuchte Augen? Die direkte Frage überrumpelt mich - ich lenke ab. „Nein, das wohl nicht. Aber ich bewundere euren Mut und eure Ehrlichkeit. Ihr habt soeben etwas erlebt, was für euer ganzes Leben wichtig ist. Ihr habt eure Beziehungen wieder bereinigt!“ Die fünf Schüler gehen mit Sarina zurück ins Klassenzimmer, ich bleibe noch eine Minute betroffen sitzen und hänge meinen Gedanken nach. Ja, ich bin wirklich beeindruckt. Etwas hat mein Innerstes in den letzten paar Minuten getroffen.

Was war es?

Nach einem sehr heftigen Konflikt haben wir die fünf Jungs versammelt. Sie hatten einen bösen Streit, haben sich aufs Übelste beleidigt und sind dabei sogar handgreiflich geworden; blaue Flecken am Schienbein, tränenverklebte Augen ...

Eine wiederkehrende Situation, die wir in den vergangenen Wochen, so kurz vor Weihnachten, schon des Öftern schlichten mussten. Sarina hat mich dazu gerufen und so sitzen wir nun schweigend und betroffen um den Tisch versammelt. Ich will von jedem einzelnen wissen, was aus seiner Sicht zum Konflikt beigetragen hat und wofür jeder von ihnen Verantwortung übernehmen muss. Rechtfertigung und gegenseitige Anschuldigung lassen wir nicht zu. Die Jungs zeigen sich einsichtig, können ihr eigenes Fehlverhalten reflektieren und durchschauen sehr wohl, dass sie ihren Teil zum Streit beigetragen haben. Wie üblich in letzter Zeit hat sich dieser an irgend einer doofen Kleinigkeit entfacht. Ich frage sie, ob sie in der Lage sind sich bei einander zu entschuldigen. Der Erste steht auf, reicht einem andern die Hand: „Es tut mir leid!“ Nach einem regen Hin- und Her setzen sich alle wieder hin. In den Augen ist Erleichterung zu lesen.

In mir regt sich etwas, war da nicht noch etwas?

„Ich habe bemerkt, dass ihr in letzter Zeit immer wieder Konflikte hattet. Eure starken Persönlichkeiten verleiten euch oft zu Auseinandersetzungen, die eure Beziehungen belasten. War es nicht euer Wunsch, dass ihr miteinander Freundschaft leben könnt?“ Die Jungs nicken und werfen sich verlegene Blicke zu. „Dürfen wir Gott einladen, dass er eure Beziehungen schützt und euch im Umgang miteinander hilft?“ Alle sind damit einverstanden. Und so beten Sarina und ich für die tollen Jungs, segnen ihre Beziehungen und bitte Gott für echte Freundschaft. Das kräftige AMEN, das am Ende des Gebetes wie aus einem Mund erfolgte, hallt in mir noch nach ...

Ja, ich bin wirklich berührt, tief beeindruckt von diesen ehrlichen Jungs, die ihre Beziehungen wieder bereinigt haben. Beeindruckt von der Kraft der Versöhnung, die Gott ermöglicht. Das entschlossene AMEN hat mein Herz getroffen. Ich habe diese Jungs wirklich gern. Und vielleicht hat mir dieser Gedanke ja nun wirklich eine Träne entlockt?

Marcel Hofmann, 2016